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Zeitschriftenartikel: Die Leidenschaft hat gesiegt

SALZBURG100 – Salzburger Nachrichten JUDITH EMPL

Über einen Umweg landete Simona Ledl bei der Kunst. Im Moment konzentriert sie sich auf eine Mischung aus Malerei und Zeichnung.

„Von der Kunst kann man nicht leben.“ Diese Aussage aus ihrem Umfeld bekam Simona Ledl nach der Matura öfter zu hören. Und die Aussage beeinflusste sie. Obwohl sie in der Schulzeit gerne malte und zeichnete, entschied sich Ledl bewusst gegen ein Kunststudium. Stattdessen wählte sie Kommunikationswissenschaften, die Kunst machte sie zum Hobby. Doch ein Auslandssemester in Spanien sollte alles verändern. „Vielleicht habe ich mich dort allein gefühlt“, hinterfragt die heute 31-Jährige den Auslöser. „Eine relativ starke Energie war in mir. Ich wusste aber nicht, was ich machen sollte.“ Wieder daheim in Salzburg, drückte Ledl diese Energie in Kunst aus. Anfangs war sie ein Mittel zur Selbstexpression, das aber bald so viel Spaß machte, dass Ledl dafür mehr Zeit investieren wollte. Und letztlich wollte sie mit Kunst auch Geld verdienen. 2013 signierte sie ihr erstes Werk – damals wie heute mit „Mona L“, Simona Ledls Künstlername.

Freiheit für Experimente
Begonnen hat sie mit Acrylmalerei. Im Laufe der Jahre probierte sie Verschiedenes aus: Druck, Collagen, digitales Zeichnen. „Mein Fokus liegt aktuell auf der Kombination aus Malerei und Zeichnung.“ Im Schaffensprozess lässt sie sich die Freiheit für Experimente. „Am Anfang ist oft nicht klar, was das Endresultat ist. Manchmal bin ich selbst vom Ergebnis überrascht“, schildert Ledl. Auch heute ist es noch so, dass sie in ihren Werken ein bestimmtes Gefühl ausdrücken will, das sie beschäftigt. Sie geht dann zur Leinwand, wählt die Farben aus und malt einen abstrakten Hintergrund. Anschließend versucht sie ein Motiv auf dem Hintergrund zu erkennen, das sie mit einer durchgehenden Linie nachzeichnet. Es entsteht eine reduzierte, figurative Zeichnung. „Ich lasse mich gern von der Natur inspirieren, das gibt mir Energie“, erklärt die Künstlerin. Mit ihren „Einlinienzeichnungen“ will sie das Gefühl von Verbundenheit von Mensch und Natur ausdrücken – in Postkartengröße bis hin zu einer Größe von einem mal 1,5 Metern.
Die Ruhe für ihre Arbeit findet Ledl in ihrem Atelier in Parsch. „Ich brauche meinen eigenen Raum, um die Konzentration aufbringen zu können, länger an einem Werk zu arbeiten.“ Es kann sich ziehen, bis sie ein Motiv entdeckt.Die Künstlerin bezeichnet sich selbst als Autodidaktin, weil sie Kunst nicht studiert hat. Sie hat jedoch mehrere Kunstkurse besucht und sich weitergebildet. Im vergangenen Jahr absolvierte sie ein Fernstudium im Comic- und Karikaturzeichnen.
Ledl ist auf Onlineplattformen vertreten und verkauft ihre Werke weltweit. Hin und wieder fertigt sie Auftragsarbeiten an. Auch hat sie ihre Kunst bereits in Ausstellungen in Salzburg und Wien, in Deutschland und den Niederlanden präsentiert. Gern wäre sie öfter in Galerien vertreten, doch für manche ist ein Kunststudium ein Qualitätskriterium.

Aufträge als Illustratorin
„100 Prozent kann ich von der Kunst noch nicht leben“, bilanziert Ledl. Schließlich sei sie vom Verkauf von Werken abhängig. Sie ergreift deshalb jede Möglichkeit zum Geldverdienen, die sich ihr bietet. Sie übernimmt zum Beispiel Aufträge als Illustratorin. Zudem hat sie einen Nebenjob. Er bietet ihr die Sicherheit, in ihrer Kunst freier zu sein – keinen Druck zu haben, dass etwas passieren muss, damit sie über die Runden kommt. Gleichwohl verspürt Ledl natürlich den Wunsch, von ihrer Kunst leben zu können. Gleichzeitig würde sie gern im In- und Ausland Projekte verwirklichen, was mit einer finanziellen Förderung verbunden wäre, und an Artist-in-Residence-Programmen teilnehmen. Ende des Jahres soll es für einen Monat nach Finnland gehen, um dort ein Projekt zu erarbeiten. Wegen der aktuellen Coronasituation hängt das Vorhaben aber derzeit noch in der Schwebe.